Schritt für Schritt zur Handsemmel

Erkennt man’s? Vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber bei genauerer Betrachtung bestimmt. Kennt ihr die ja! Natürlich. Werbung mit den Bio-Tomaten? „Unsere Designklassiker.“ steht unten drauf, darüber sind deformierte Paradeiser aufgereiht, in Wahrheit wunderbare Bio-Einzelstücke, die bei Bauer Erwin Binder wachsen dürfen, wie sie wollen. Als ich meine Semmeln aus dem Ofen genommen habe, hatte ich genau dieses Bild im Kopf: Die hässlichsten, aber doch wunderschönsten Handsemmeln. Jede ein Unikat. Typischer Fall von schönreden? Nein, nein! Eher rosarote Brille, weil selbstgemacht. Und beim Gebäck ist es doch bitte wirklich wurscht, ob’s schön geformt ist, „Auge ißt mit“ wirkt nämlich nur bei gatscherten Sachen. Schmecken muss es, das ist wichtig. Weil wenn man die Semmel aufschneidet, umdreht und Marmelade drauf schmiert, sieht man den verunstalteten Deckel ja sowieso nimma.

Zutaten für 10-12 Semmeln:

1. Ansatz für den Vorabend
120 g Mehl
150 ml kaltes Wasser
5 g frischer Germ

2. Ansatz am Morgen danach
360 g Mehl
150 ml Wasser
5 g frischer Germ
1 TL Salz

1. Am Vorabend Germ im Wasser auflösen, Mehl hinzufügen und alles gut vermischen. Mit einem feuchten Küchentuch abdecken und über Nacht bei Zimmertemperatur gehen lassen.

2. Am nächsten Morgen Wasser und Germ für den 2. Ansatz verrühren und gemeinsam mit Mehl und Salz unter den 1. Ansatz mischen, gut durchkneten. Teig zurück in die Schüssel legen und erneut mit einem feuchten Tuch abdecken. 2 Stunden bei Zimmertemperatur gehen lassen. Anschließend den Teig in ca. 80 g schwere Stücke teilen und diese zu Kugeln formen.

3. Ofen auf 240°C Grad vorheizen. Jede Teigkugel mit der Hand flachen drücken. Den Daumen der linken Hand flach auf die Mitte der Flade legen und ein Drittel des Teigs über den Daumen klappen. Die überlappende Stelle wie auf Bild 2 mit der Handkante festdrücken. Nun die dem Daumen gegenüberliegende Teigfläche in die Mitte falten, zuerst mit dem Zeigefinger (Bild 3), dann erneut mit der Handkante festdrücken (Bild 4). Die Schritte noch zweimal wiederholen, dabei die Position des Daumens nicht verändern.

4. Den letzten und 5. Teigteil zu einer Spitze ziehen und drücken (Bild 7), Daumen heraus ziehen und den spitz geformten Teiglappen in die Öffnung schieben (Bild 8). Erste und fünfte Falte am Semmelrand mit Daumen und Zeigefinger zusammenzwicken.

5. Semmeln auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen* und im vorgeheizten Ofen bei 240°C Grad ca. 12-14 Minuten knusprig braun backen. Auf einem Gitter auskühlen lassen.

*Hier passiert dann übrigens folgendes: Während ich nach und nach die Semmeln forme, beginnen die bereits fertigen Semmeln am Backblech wieder nach oben hin aufzugehen, die Kanten verschwimmen, zum Teil löst sich sogar das letzte Spitzerl aus der Öffnung. Dadurch erhalten sie ihr prägnantes Aussehen, dass sie von den uns bisher bekannten Handsemmeln deutlich unterscheidet. Wer eine Lösung für dieses Problem hat, möge sich bitte bei mir melden. (Lösung dank katha gefunden, siehe Kommentare)

Nach einem Servus Rezept.

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9 Kommentare zu “Schritt für Schritt zur Handsemmel

  1. die lösung ist relativ einfach: bäcker (innen) legen die semmerl immer mit dem gsicht nach unten ab 😉 und: großartig, dass du kaisersemmerl machst!

  2. Danke für die Anleitung! ich bin auf der Suche nach dem ultimativen Handsemmerl-Rezept, nach diesem Rezept sind meine Semmerl zwar geschmacklich super, aber blieben ziemlich klein und kompakt. Aus demTeig habe ich auch nur acht Stück machen können. Und der Teig ließ sich nicht so gut verarbeiten, also zog sich stark zusammen. Hat jemand eine Idee, woran das liegen kann?

  3. Die fertig geformten Semmerl auf ein mit Backpapier ausgelegtes mit ein wenig Mehl noch bestäubt verkehrt legen. Dann noch ca. 15min gehen lassen. Dann umdrehen, mit Wasser ansprühen und bei 220 Grad Heissluft goldgelb backen. So müsste die Form beibehalten bleiben!

  4. Wirklich super lecker!! Und tröste Dich, meine waren mit Sicherheit hässlicher. 😉 aber so lange es schmeckt…

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